Die Web2.0 Herausforderung für BRs und Gewerkschaften

Ich möchte hier mit einer PPT-Präsentation einige Aspekte von web2.0, gesellschaftliche Faktoren in unserem gegenwärtigen strukturellen Medienwandel und Gedanken zur Zukunft der Arbeit der ArbeitnehmerInnen-Vertretungen dokumentieren; ja, und zur Diskussion stellen.

Den Kern der Präsentation bildete ein Vortrag auf der Uni Europa Konferenz, die ich dann für einen Vortrag auf der SOZAK eingedeutscht und leicht umgebaut habe.

Zum Aufbau der Präsentation bzw. eine:
Inhaltsangabe der Kernaussagen:

  1. Wovon reden wir, wenn wir über web2.0 reden? Web2.0 hat einerseits starke „Marketing-Nähe“, andererseits wird damit ein Wandel bzw. eine Stufe in der Mediengeschichte angesprochen.
  2. Wir befinden uns IN (bzw. am Anfang) eines Medienwandels, der so grundlegend die Welt verändern wird, wie die Ausbildung des Verlagswesens mit der flächendeckenden Versorgung mit Büchern die Welt in der Aufklärung verändert hat.
  3. Das web ist viel mehr eine in der Menschheitsgeschichte neuartige Erinnerungslandschaft und ein Archiv kulturellen Gedächtnisses als ein simpler Kommunikationsraum.
  4. Dieses „Archiv“ wird immer mehr Einfluss darauf nehmen, womit sich kommende Generationen identifizieren können und womit bzw. mit wem nicht.
  5. Es gilt als in diesem kulturellen Gedächtnisraum und dieser Erinnerungslandschaft lebendig vertreten zu sein (Präsenz), um nicht der Marginalisierung zu unterliegen (Tabu).
  6. Unabhängig davon zwingen die web2.0-Entwicklungen jede Organisation zu gewissen web-spezifischen Arbeiten: z.B. „Online Reputation Management“.
  7. Die web2.0-Herausforderung für die ArbeitnehmerInnen-Seite lautet: den strukturellen Wandel (u.a. der Mediennutzung) nicht zu verschlafen und nicht nur das mindest Notwendige mehr schlecht als recht zu tun, sondern geschickt und lebendig und auf allen Ebenen „präsent zu sein“ im www.
  8. Die sich daraus ergebenden Strategien sollten Abstand vom Kopieren von Unternehmensstrategien nehmen und auf autonome Strukturen setzen.
  9. Die sich daraus ergebenden Strategien laufen in ihrer Gesamtheit auf nicht weniger hinaus als auf „Organisationsentwicklung“ der ArbeitnehmerInnen-Seite für die nahe und weiter reichende Zukunft.

(Hier kann die PPT-Präsentation zudem heruntergeladen werden.)

Was sagt ihr?

6 Gedanken zu „Die Web2.0 Herausforderung für BRs und Gewerkschaften

  1. Henne oder Ei? – Erst Web2.0-Kommunikation oder erst Organisationsentwicklung?

    In These 9 liegt das Problem, dass die Auseinandersetzung mit web2.0 eine Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Tendenzen bedeutet. Es nützt nichts, sich Web2.0-Werkzeuge im technischen Sinne zuzulegen, wenn die Organisation dahinter dem zentralistisch-bürokratischen Credo verhaftet bleibt und Foren geschlossen werden, sobald sich darin kritische Stimmen regen. Oder wenn mehr Energie in innerorganisatorische Grabenkämpfe fließt, als in die Kommunikation mit den Mitgliedern.

    Bei Web2.0 handelt es nämlich weniger um Technik, als um die Anwendung derselben in einem bestimmten Sinne, um Kommunikation von unten. Und jetzt kommt mir eine Vision: Web2.0-Kommunikation kann dazu beitragen, die Verkrustung der Gewerkschaften aufzuweichen. Brauche ich einen Arzt?

    Liebe Grüße
    Christian Wachter

  2. ad Henne oder Ei …
    also wir brechen ja bereits eifrigst, wenngleich auch gehemmt.

    die Fragen scheinen mir demnach zu sein:
    Wie weit kommen wir mit dem Aufbrechen?
    Und folgt auf die Versuche der Reformation eine Reaktion?

  3. Danke für die Präsentation. Finde ich sehr gut. Ich finde es auch bedeutend, dass Du die Archiv-Funktion immer wieder betonst, schon heute habe ich den Eindruck, dass tendenziell alles, was nicht im Web ist, nicht ist. Interessant fände ich die Frage, wie bestehende Social Networks wie Facebook & Co. in solch einer Strategie genutzt werden können.

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